Die Hypothese
Die Hypothesen stellen die Grundannahmen
aller Theorien dar. Dabei gilt grundsätzlich, dass Hypothesen beweisbar sein
müssen. Gemeint ist hiermit, dass eine Annahme nur dann als Hypothese
betrachtet werden kann, wenn Sie sowohl den Beweis als auch den Gegenbeweis
zulässt.
Problematisch für alle Hypothesen sind
die Existenzannahmen. Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit, die Existenz
einer Sache zu behaupten oder die Nichtexistenz einer Sache zu behaupten.
Die Existenz einer Sache wird bewiesen
dadurch, dass sie wahrgenommen wird. In der Welt der Naturwissenschaften muss
diese Wahrnehmung mittels Messapparaturen belegt werden und diese Wahrnehmung
muss replizierbar sein. Die Behauptung also, dass es die Sonne gibt, lässt sich
mittels Wahrnehmung und mittels Messung jeden Tag aufs neue belegen. Schwieriger
ist es mit dem Behauptung, dass es die Sonne nicht gibt. Nun scheint auf den
ersten Blick der Beweis, dass es die Sonne gibt, die Behauptung, dass es die
Sonne nicht gibt, zu widerlegen. Rein theoretisch ist jedoch die Behauptung,
dass es die Sonne nicht gibt, dadurch zu stützen, dass man annimmt, das alle
Wahrnehmung und alle Wahrnehmung von Messungen nicht real existieren, sondern
die ganze Welt in Wahrheit eine Illusion sei. Dass diese Behauptung durchaus
einen Anspruch auf Richtigkeit hat, im Buddhismus, insbesondere im Zen
Buddhismus, wird sie so vertretenen, soll hier nicht weiter erörtert werden.
Solange die überwiegende Anzahl der
Menschen davon ausgeht, dass die Wahrnehmung von Dingen einhergeht mit der
Existenz dieser Dinge, ist es zumindest sinnvoll, von der Existenz dieser Dinge
auszugehen, auch wenn letztlich niemand beweisen kann, dass sie nicht doch nur
eine Illusion sind.
Wir wollen also im weiteren von der
Annahme ausgehen, das die uns umgebende Welt real ist.
Unter dieser Annahme wird die Behauptung,
dass es die Sonne nicht gibt, durch die Wahrnehmung der Sonne widerlegt.
Daraus folgt, dass die Behauptung der
Nichtexistenz einer Sache, oder einer Gesetzmäßigkeit, durch die Wahrnehmung
dieser Sache bzw. dieser Gesetzmäßigkeit widerlegt wird, die Nichtwahrnehmung
dieser Sache jedoch keinen Beweis darstellt. Bei der Behauptung der
Nichtexistenz einer Sache lässt sich also nicht die Behauptung sondern nur die
Gegenteil beweisen.
Die Behauptung der Existenz einer Sache
kann durch die Nichtwahrnehmung dieser Sache nicht widerlegt werden. Dies ist
das Problem, das sich bei der Behauptung, dass es Gott gibt, stellt. Die
Existenz einer Sache lässt sich beweisen, es lässt sich aber das Gegenteil
nicht beweisen.
Daraus folgt, dass Hypothesen über
Existenz oder Nichtexistenz grundsätzlich unwissenschaftlich sind, da sie
jeweils nur das eine, nämlich Beweis bzw. die Widerlegung zulassen.
Nichtsdestotrotz basieren alle
wissenschaftlichen Theorien auf der Grundannahme der Existenz oder
Nichtexistenz.
Betrachten wir also Existenz-
beziehungsweise Nichtexistenzannahmen, so haben lediglich Annahmen, die auf der
Existenzbehauptung basieren, im Kontext der Wahrnehmung einen Sinn. Zwar lässt
sich das Gegenteil nicht beweisen, jedoch ermöglicht die Wahrnehmung
beziehungsweise Messung der behaupteten Existenz eine positive Bestätigung.
Dies gilt für Nichtexistenzannahmen nicht, diese lassen sich nicht positiv
bestätigen, sondern lediglich widerlegen.
Somit ist die Grundlage aller
Naturwissenschaft die Behauptung der Existenz des beobachteten. Die
Naturwissenschaft schränkt der Existenzannahme allerdings auf solche Existenzen
ein, die sich messtechnisch direkt oder indirekt beweisen lassen. Diese Form der
Einschränkung enthält implizit jedoch die Behauptung, der Nichtexistenz alles
nicht messbaren.
Natürlich werden jetzt alle
Naturwissenschaftler heftig widersprechen. Schließlich wird nur behauptet, dass
alles nicht messbare nicht beweisbar ist. Übersehen wird dabei, dass das
Gebäude der Naturgesetze versuchte zu erklären, warum und wie die Welt um uns
herum funktioniert, was die Gesetze sind, die das Verhalten der Planeten und des
Menschen bestimmen. Im Zeitalter der Gentechnologie, Molekularbiologie und
Nanotechnik wird das Verhalten des Menschen erklärt aus chemischen und
physikalischen Prozessen. Bereits der Versuch, das Verhalten des Menschen
hieraus zu erklären, zeigt deutlich, dass die Existenz einer Seele, eines
Gottes, eines Sinn stiftenden Wesens geleugnet wird. Es geht eben gerade darum,
zu beweisen, dass man alle menschlichen Verhaltensweisen allein mittels
messtechnisch nachweisbarer Faktoren erklären kann. Würde dies gelingen, wäre
damit zwar nicht bewiesen, dass es Gott nicht gibt, aber zumindest wäre
bewiesen dass Gott nicht eingreift. Wie aussichtslos dieses Unterfangen ist,
leuchtet unmittelbar ein, wenn man sich vor Augen hält, dass Gott als bewusstes
Wesen willkürlich eingreifen kann, und eben deshalb nicht an jedem Prozess, der
abläuft, beteiligt ist.
Die Prämisse, dass es Gott nicht gibt,
ist nicht beweisbar und insofern unsinnig. Die Behauptung vieler Gläubiger
jedoch, dass es Gott gibt, ist beweisbar und damit sinnvoll. Die Erwartung der
Wissenschaftler, Gott als regelmäßiges Naturgesetz zu finden, scheitert an der
Tatsache, dass wenn es Gott gibt, sein Verhalten willentlich ist. Wenn hier also
von der Beweisbarkeit Gottes die Rede ist, dann insofern, dass er wahrnehmbar
ist. Es liegt an Gott, sich so zu zeigen, dass er messtechnisch erfassbar wird.
Bis dahin wird die Existenz Gottes nur
als menschliche Wahrnehmung belegbar sein.
Aber es geht hier nicht nur um die
Existenz Gottes, sondern um die Existenz von nicht messbaren Erfahrungen und
Energien und ihre Relevanz für das menschliche Leben.
Wird
fortgesetzt...........
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