gruppe12         

Home

Themenübersicht

Redaktion

Neue Beiträge

Naturwissenschaft


 
 

06.01.2000

Die Grundlagen des Beweisens
gruppe 12 / Johannes Rosenberg

 
     
 

Die Naturwissenschaften

Das Messen und Ablesen

Die Naturwissenschaft erklärt die wesentlichen Gesetze über das Verhalten von Materie/Energie in unserem Teil des Universums.

Grundsätzlich kann sie aber keine Aussagen über die Existenz oder Nichtexistenz von anderen "Dingen" als Materie oder Energie in der uns bekannten Form machen, da diese nicht gemessen werden können. Naturwissenschaft beantwortet also niemals die Fragen nach dem Sinn des Lebens oder ob es Gott gibt.

Die Naturwissenschaft basiert auf wenigen wesentlichen Prämissen, auf denen sie zwangsläufig aufbaut.
Die wichtigste ist, dass das, was wir wahrnehmen, auch tatsächlich existiert. Da alle naturwissenschaftliche Forschung von messbaren Ereignissen ausgeht und diese Messungen natürlich abgelesen werden müssen, muss der Vorgang des Ablesens selber einen konkreten Bezug zur Wirklichkeit haben. Naturwissenschaft ist also ausgesprochen "unsubjektiv", sie behauptet eine für alle gleiche materielle Wirklichkeit und dass jeder Sachkundige, der das Messgerät abliest, das gleiche Messergebnis ablesen würde. - Es gibt dessen ungeachtet auch unter Naturwissenschaftlern ausgesprochene Subjektivisten.

Naturwissenschaft im heutigen Verständnis ist also abhängig von Messgeräten und der Zuverlässigkeit der Ablesung der Messergebnisse. Sie setzt also voraus, dass die äußere Wirklichkeit nicht nur Illusion ist, sonst wäre ja auch die Ablesung nur Illusion.

Die zweite wesentliche Annahme, die darin bereits zum Teil enthalten ist, lautet, dass sich Naturgesetze durch Messungen beweisen lassen. Das heißt, dass nur gemessene oder indirekt (auch zeitversetzt) messbare Ereignisse als Grundlage für Beweise gelten dürfen. Da Beobachtung im Sinne der naturwissenschaftlichen Beweisführung an Messgeräte gebunden ist, nur diese sind unsubjektiv, lassen sich so natürlich viele tatsächliche, aber nicht messbare Ereignisse nicht beweisen.

Von daher ist es ein wichtiges Anliegen, Messgeräte zu bauen, die bisher noch nicht Messbares messen können und gleichzeitig das Ablesen soweit wie möglich zu objektivieren. Hierher gehören das Festlegen von Größeneinheiten, also was bedeutet das abgelesene Ergebnis "1,2376 Kilogramm", und die Art der Darstellung der Messergebnisse, heutzutage am besten numerisch als Computerausdruck, denn das reduziert Ablesefehler und ermöglicht gleichzeitig die zeitversetzte Kontrolle der Ablesungen.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, das naturwissenschaftliches Beweisen die Messbarkeit von Ereignissen nach vergleichbaren Maßstäben und die sachkundige Ablesung der Messergebnisse als Voraussetzung hat.

Die Begrenzung auf messbare Ereignisse ist durchaus sinnvoll und Garant dafür, dass wissenschaftliches Arbeiten überprüfbar bleibt.

Die Ausgrenzung

Der Ansatz der Messbarkeit hat jedoch auch negative Konsequenzen. Es folgt daraus schließlich, dass ein Phänomen, wenn man versucht es zu erklären, man es nur mit messbaren, und das heißt, mit bereits bekannten, Gesetzmäßigkeiten erklären darf.  Der typische Fall in der Naturwissenschaft ist, dass man ein messbares Ereignis hat, dass man sich nicht erklären kann. Nun werden Hypothesen gebildet, die solange geprüft und verbessert werden, bis man in der Lage ist, das Verhalten, bzw. die Messergebnisse, sinnvoll zu erklären. Aus der Hypothese ist eine Theorie gebildet worden. 

Die Ausgrenzung liegt nun in der Begrenzung der Hypothesenbildung und der Auswahl der Ereignisse, für die eine Hypothese gebildet werden soll. Grundlage für Hypothesen sind zumeist messbare Ereignisse. Das ist nicht immer der Fall. Manchmal folgen aus Theorien neue Hypothesen, für die erst messbare Ereignisse gesucht werden müssen. Ereignisse, die jedoch prinzipiell nicht messbar sind, können grundsätzlich kein Ausgangspunkt für eine Theorienbildung sein, da eine Überprüfung der Theorie durch Messung von vorneherein ausscheidet. Für Hypothesen gilt, dass sie sowohl prinzipiell beweisbar als auch widerlegbar sein müssen. Die Hypothese, dass es Gott gibt oder dass es Gott nicht gibt, ist nicht beweisbar und eben deshalb auch nicht zulässig.

Hier geschieht nun in der Naturwissenschaft aber ein Ausgrenzung, die nur implizit in Erscheinung tritt. Da Gott nicht messbar ist, ist er von vorneherein als Erklärung für naturwissenschaftliche Ereignisse ausgeschlossen, was aber bedeutet, dass von der Nicht-Existenz ausgegangen wird, was ebenfalls nicht beweisbar ist. 

Prinzipiell entsteht der Naturwissenschaft dadurch jedoch kein Schaden. Wenn es Gott gibt, so handelt er als willentliches Wesen, und nicht in Form einer "immer dann, wenn" Regel. Jedes willentliche Eingreifen Gottes wird außerdem messbare Spuren in der Welt hinterlassen, die dann untersucht, und im Rahmen der erkannten Gesetzmäßigkeiten, erklärt werden. Der Schaden entsteht durch den Umkehrschluss: Wenn wir alles ohne Gott erklären, bzw. erklären könnten, hätten wir damit bewiesen, dass es Gott nicht gibt.  Ein ernsthafter Naturwissenschaftler wird diese Umkehrung ablehnen, da es sich um eine unzulässige Nicht-Existenz Behauptung handelt, die so nie beweisbar ist.

Der Schaden

Der Schaden der entsteht ist von subtiler Natur. Egal wie viele Menschen behaupten, sie hätten Gott erfahren, ihn wahrgenommen, egal wie viele Menschen behaupten, sie hätten Ereignisse außersinnlich wahrgenommen, solange diese Wahrnehmungen nur der Mensch selber machen kann, und sie eben nicht gemessen werden können, solange gelten diese Wahrnehmungen als nicht beweisbar. 

Nun ist auch das noch nicht weiter schlimm, denn Beweisbarkeit im Rahmen der Naturwissenschaft gilt eben auch nur für den Bereich, in dem Naturwissenschaft Aussagen trifft. Der Schaden entsteht, wenn nun aus der Nicht-Beweisbarkeit auf die Nicht-Existenz geschlossen wird. Das hat mit Wissenschaft nichts mehr zu tun, der Schluss der Nicht-Existenz ist nur bei messbaren Ereignissen durch Fehlen entsprechender Messergebnisse beweisbar, nicht jedoch, wenn das Ereignis oder die Wahrnehmung sich auf nicht messbare Größen bezieht. Die Behauptung der Nicht-Existenz ist hier religiöser Natur. die Religion nennt sich Materialismus und geht davon aus, dass sich alles allein aus Materie und Energie erklären lässt. 

Die Materialisten glauben nun, dass Ereignisse und Wahrnehmungen, die nicht messbar sind, auch nicht stattfinden. Sie erklären solche Wahrnehmungen für Halluzinationen, für Einbildung, Wunschdenken oder Täuschung. Sie behaupten, dass die Naturwissenschaft beweisen könne, dass solche Ereignisse oder Wahrnehmungen keinen Bezug zur Wirklichkeit haben, Sie missbrauchen die Naturwissenschaft um ihre religiöse Überzeugung durchzusetzen.

Die Naturwissenschaft trifft nur Aussagen innerhalb ihres Kontextes. Und dieser wird durch die Messbarkeit und Überprüfbarkeit begrenzt. Außerhalb dieses Rahmens trifft sie keine Aussagen. Die Naturwissenschaft sagt nicht, dass es Telepathie nicht gibt, sie sagt nur, dass sie sie nicht erklären oder beweisen kann und somit auch nicht widerlegen.

Der Irrtum

Materialistische Naturwissenschaftler, insbesondere Biologen und Mediziner, versuchen nun, die Wahrnehmungen und Ereignisse allein im Rahmen der Naturwissenschaft zu erklären. Die Idee dahinter ist, dass wenn es gelingt, eine naturwissenschaftliche Erklärung zu finden, so wäre die Religion des Materialismus einen Schritt weiter auf dem Weg, zur alleinigen, ja bewiesenen, Religion zu werden. Das ist ein wirklich aussichtloses Unterfangen. 

Die Anhänger der Nicht-Materialistischen Weltanschauung tappen in eine ähnliche Falle. Die Wahrnehmung von Gott, das Empfangen telepatischer Informationen oder das Erleben eines Poltergeistphänomens sind kein Beweis dafür, dass die Naturgesetze nicht gelten, dass die Naturwissenschaften sich irren. Die Naturgesetze werden nicht außer Kraft gesetzt, die Naturwissenschaft kann diese Ereignisse und Phänomene lediglich nicht erklären. Es fehlt die Messbarkeit der Kräfte, die dort wirken. Die Entwicklung der Naturwissenschaften ist nicht durch die Widerlegung sondern die Ergänzung und Ausweitung geprägt.   


Weiter >>>